Wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können, Freundschaften zu schließen und zu pflegen
„Mama, niemand wollte heute mit mir spielen.“
Wahrscheinlich gibt es kaum einen Satz, der Eltern mehr berührt. Zu sehen, dass das eigene Kind traurig, ausgeschlossen oder einsam ist, tut weh. Schnell entsteht der Wunsch, die Situation sofort zu lösen. Doch Freundschaften lassen sich nicht erzwingen – sie entstehen langsam, wachsen mit gemeinsamen Erlebnissen und entwickeln sich oft ganz anders, als Erwachsene es erwarten.
Die gute Nachricht: Eltern müssen keine Freundschaften vermitteln. Sie können aber viel dazu beitragen, dass Kinder gute Voraussetzungen haben, um Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.

Freundschaften sind ein Lernprozess
Kein Kind wird mit der Fähigkeit geboren, Freundschaften zu schließen.
Kinder lernen Schritt für Schritt,
- auf andere zuzugehen,
- gemeinsame Interessen zu entdecken,
- Konflikte auszuhalten,
- Kompromisse zu schließen,
- sich zu entschuldigen und
- anderen zu vertrauen.
Deshalb gehören auch Missverständnisse, Streit oder Enttäuschungen dazu. Sie sind kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft – sondern wichtige Erfahrungen für die soziale Entwicklung. Als Eltern fällt es oft schwer, das auszuhalten, doch nicht jeder Konflikt muss sofort gelöst werden.
Häufig finden Kinder erstaunlich kreative Wege, ihre Probleme selbst zu bewältigen.
Freundschaften brauchen Gelegenheiten
Kinder können nur Freundschaften schließen, wenn sie anderen Kindern begegnen.
Deshalb sind Orte wichtig, an denen Begegnungen ganz selbstverständlich entstehen:
- Spielplätze
- Sportvereine
- Musikschulen
- Jugendgruppen
- Ferienangebote
- Offene Treffs
- Nachbarschaft
- OGS und Schule
Nicht jede Aktivität muss auch leistungsorientiert sein, gerade freies Spielen bietet Kindern viele Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen – manchmal genügt schon ein regelmäßiger Besuch auf demselben Spielplatz.
Zuhören statt sofort lösen
Wenn Kinder traurig nach Hause kommen, weil sie sich ausgeschlossen fühlen, möchten viele Eltern sofort handeln.Dabei hilft häufig etwas anderes mehr:
Erst einmal zuhören.
Fragen wie „Wie hast du dich dabei gefühlt?“, „Was glaubst du, warum das passiert ist?“, „Was könnte dir morgen helfen das es anders läuft?“ ermutigen Kinder, selbst über Lösungen nachzudenken. Das stärkt nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern auch ihre Fähigkeit, Konflikte langfristig eigenständig zu bewältigen.
Kinder dürfen unterschiedlich sein
Nicht jedes Kind ist laut, offen oder hat zehn Freundinnen und Freunde, denn manche Kinder brauchen Zeit.
Andere fühlen sich mit einem einzigen engen Freund oder einer engen Freundin vollkommen wohl – auch das ist völlig normal.
Nicht die Anzahl der Freundschaften entscheidet darüber, ob ein Kind glücklich ist – sondern deren Qualität.

Freundschaften brauchen Zeit
Zwischen Schule, Hobbys und Familienalltag bleibt manchmal wenig Raum für gemeinsame Nachmittage. Doch Beziehungen wachsen durch gemeinsame Erlebnisse.
Es müssen auch nicht die großen „Erlebnisse“ sein – vielleicht reicht es auch:
- ein anderes Kind zum Spielen einzuladen,
- gemeinsam einen Ausflug zu machen,
- eine Übernachtung zu ermöglichen,
- zusammen einen Kuchen zu backen oder
- einfach einen Nachmittag ohne festes Programm zu verbringen.
Freundschaften entstehen oft genau in diesen ungeplanten Momenten.
Wenn Freundschaften schwierig werden
Nicht jede Freundschaft hält ein Leben lang, denn manchmal verändern sich Interessen, manchmal entstehen Konflikte, manchmal fühlt sich ein Kind ausgeschlossen.
Das gehört zum Leben.
Gerade dann brauchen Kinder Erwachsene, die ihre Gefühle ernst nehmen, ohne vorschnell zu urteilen und keine Sätze wie
„Das wird schon wieder.“ oder „Such dir einfach neue Freunde.“, denn die helfen oft wenig.
Viel hilfreicher ist: „Ich sehe, dass dich das traurig macht.“ oder „Magst du erzählen, was passiert ist?“
Kinder fühlen sich verstanden – und können ihre Gefühle besser verarbeiten.
Was Kinder wirklich brauchen
Eltern müssen keine perfekten Spielnachmittage organisieren, weil Kinder brauchen vor allem Erwachsene, die ihnen zutrauen, eigene Beziehungen aufzubauen. Sie brauchen Zeit, Vertrauen, Ermutigung und das Gefühl, dass jemand da ist, wenn es einmal schwierig wird. Denn Freundschaften wachsen nicht über Nacht, sie entstehen Schritt für Schritt – genau wie Kinder selbst.
Fünf kleine Ideen für den Familienalltag
- Ermutige dein Kind, andere Kinder einzuladen.
- Schaffe Zeit für freies gemeinsames Spielen.
- Höre zu, bevor du Lösungen anbietest.
- Akzeptiere, dass jedes Kind unterschiedlich viele Freundschaften braucht.
- Sei selbst ein Vorbild für respektvolle Beziehungen.
Unser Impuls
Freundschaften gehören zu den schönsten Erfahrungen der Kindheit und als Eltern können wir sie nicht auswählen oder planen.
Aber wir können unseren Kindern Mut machen, offen auf andere zuzugehen, Rückschläge auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass echte Freundschaften Zeit brauchen.
Denn manchmal beginnt eine Freundschaft mit einer einzigen Frage: „Hast du Lust, mit mir zu spielen?“
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